Interview mit Andreas Rauthe

Wir hatten die Möglichkeit Fischers Ausbildungsleiter Andreas Rauthe zu seinem Werdegang und seiner Arbeit in der Firma zu befragen.

Portrait_Rauthe
Andreas Rauthe, Ausbildungsleiter bei Fischer

1) Was sind Ihre Aufgaben als Ausbildungsleiter bei FISCHER?

Es ist meine Aufgabe, dafür Sorge zu tragen, dass die Firma mit sehr guten, gut ausgebildeten, motivierten Nachwuchskräften versorgt wird, die die hohen, Anforderungen des Alltags bewältigen können und dabei ihre Freude und Bestätigung erfahren.

2) Welche Ausbildung bzw. welches Studium haben Sie absolviert?

Der Beruf den ich erlernt habe, hieß damals noch Werkzeugmacher, aber weil mir das bald nicht mehr gelangt hat, folgte kurz darauf der Meister.

3) Was hat Sie dazu bewogen, diesen Beruf zu wählen und wie sind Sie später Ausbildungsleiter geworden

In meiner Jugend war ich besonders an Chemie, Physik, Flugzeugen und Technik allgemein interessiert. Alles was sich bewegt und auseinanderschrauben lässt. Für Chemie und Flugzeugtechnik gab es bei uns keine Möglichkeit. Doch dann  erzählte mir jemand von seinem Beruf, Werkzeugmacher, wie man Zahnräder berechnet und durch Differetialteilen herstellt.  Das interessierte mich so sehr, dass ich mir, von den vier in Frage kommenden Betrieben, den aussuchte, der mir am besten schien. Dort stellt ich mich vor wurde sofort genommen. 

Die Fa. Helmut- Fischer war tatsächlich die 5te Station in meinem Berufsleben. Hier begann ich in der mech. Entwicklung, wurde bald Gruppenleiter und später von Herrn Fischer in die mechanische Fertigung, die damals alles, vom Einzelteil, bis zur montierten Baugruppenfertigung umfasste, geholt.

4) Haben Sie vor der Ausbildung / während des Studiums bereits praktische Erfahrungen gesammelt?

Zum Leidwesen meiner Mutter, habe ich schon  in der frühen Jugend alles auseinandergebaut, an alten Radios, damals noch Röhrenverstärker, herumgeschraubt oder Seifenkisten gebaut. Man hat auf dem Schuttplatz  die Räder von alten Kinderwagen geholt, an ein Brett geschraubt und damit die nächste Straße runtergefahren.  Mein erstes Fahrrad habe ich ebenfalls in Einzelteilen vom Schuttplatz geholt und zusammengebaut. Erst ohne Schaltung, später mit Torpedo Dreigangschaltung. An dieser Schaltung ging oft etwas kaputt. Mein Ehrgeiz war es, sie in kürzester Zeit auseinanderzubauen, zu reparieren und wieder zusammenzusetzen.

5) Wie sieht Ihr typischer Arbeitsalltag aus?

Jeder Tag ist anders. Seitdem ich in der Firma Helmut Fischer arbeite, gab es keinen langweiligen Tag mehr. 

Morgens kümmere ich mich, zuerst um meine Mechaniker- Azubis. Unterrichte sie an neuen Maschinen oder Arbeiten, wie Fräsen, Drehen, Schweißen, Löten, Härten.  Gegen später, wenn die Azubis nicht mehr da sind, bewerte ich die Arbeiten. Wenn zwischendurch Zeit da ist, arbeite ich an Projekten. Am allerliebsten aber am CAD.

6) An welchen Projekten arbeiten Sie zurzeit und wie dürfen wir uns dieses Arbeitsgebiet vorstellen?

Aktuell planen wir einen virtuellen Azubitag, um die Gemeinschaft zu fördern und über faszinierende Technologieen im Hintergrund der Firma zu informieren, die nötig sind, aber keiner bemerkt: IT- Technik, Haustechnik: Drucklufterzeugung, Lüftungstechnik, Stromversorgung und Heizung. Um die Abstandsregeln einzuhalten, ist jeweils nur ein Azubi vor der Kamera dabei.  Vor Corona gingen wir gemeinsam auf Messen oder Firmenbesichtigungen. Da fehlt den jungen Leuten viel. Deshalb geben wir auf diese Weise Einblicke.

Außerdem unterweise ich einen Azubi, der noch nie die F1- Teile hergestellt hat, sie für Euer Juniorteam „Starlight“, auf eine CNC Maschine zu fertigen. Das Hauptproblem ist die Zeit. Wir geben alles, um es doch noch zu schaffen.

7) Welche besonderen Vorkenntnisse, Fähigkeiten und Interessen braucht man für dieses Berufsprofil?

  • Sehr gute Kenntnisse über den Beruf.
  • Ausbildereignungsbescheinigung. 
  • Ein Herz für junge Menschen und für Technik.
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8) Was fasziniert Sie an Ihrer Tätigkeit am meisten?

Es freut mich jeden Tag aufs Neue, in einem sehr guten Team arbeiten zu dürfen. Es ist auch die Vielseitigkeit der Anforderungen und dass ich es in diesem Umfeld schaffe, junge Menschen für die Technik zu begeistern.

9) Sind Sie in Projekten/Maßnahmen aktiv, die es sich zum Ziel gesetzt haben, junge Menschen für MINT zu begeistern? Wenn ja, wie versuchen Sie, dieses Ziel umzusetzen?  

Ja, das sind F1 in Schools, indem wir die Chassis, Achsen, Räder und Radbefestigungen herstellen.  Dann führen wir Schülerpraktika, wie BORS oder BOGY durch. Außerdem unterstützen wir auch Jugend forscht und Projektarbeiten von Studenten.

Vor Allem geht es darum Grenzen auszuloten. Es begann damit, herauszufinden, wie dünn der Laufring eines Rades sein kann. Wir konnten ihn tatsächlich in der Dicke eines Menschenhaares herstellen. Das hat die Schüler begeistert.

10) Noch gibt es nur wenige Mädchen, die sich für einen MINT-Beruf entscheiden. Was muss sich Ihrer Meinung nach ändern, damit mehr Frauen mathematisch-technische Berufe wählen?

Schwer zu sagen. Vielleicht sollte man da die Frauen fragen. Meine Tochter z.B hat meine Begeisterung für die Technik angenommen und auch so einen Beruf gewählt.

11) Welchen Rat würden Sie einer Schülerin mit auf den Weg geben, die überlegt, ein MINT-Fach zu studieren?

Ich würde ihr dazu raten, denn die Vielfalt des späteren Berufsfeldes ist enorm groß.

12) Sie haben uns bei der Fertigung unserer Autos für das Projekt „Formel 1 in der Schule“ unterstützt. Welcher Teilbereich der Fertigung lag in Ihrem Aufgabengebiet bzw. im Aufgabengebiet der von Ihnen betreuten Azubis?

Die Herstellung der Achsen, Räder und Radbefestigungen.

Wie gut hat diese Aufgabe zu den vorgegebenen Ausbildungsinhalten gepasst?

Sie hat zu 100% gepasst. Wir haben es in unseren betrieblichen Ausbildungsplan übernommen. Denn einen der ersten Arbeiten an der CNC- Maschine sind eure Räder. Spannend, anspruchsvoll und weckt Begeisterung.

13) Gab es besondere Herausforderungen bei der Fertigung der Teile für das F1-Auto, die die Azubis meistern mussten?

  • Die Passungen der Achsen sind sehr eng toleriert. Sie müssen extrem genau hergestellt werden. Hier kommt es sogar auf die Temperatur der Maschine an.
  • Die Gewinde sind so hergestellt, dass sie schwergängig sind. Dafür haben wir keine herkömmlichen Meßmittel weil das viel genauer ist, als es die Norm oder die Serienproduktion verlangt. 
  • Die Felgen gratfrei zu fertigen.
  • Die Unwucht der Felgen sehr klein zu halten. Das bedeutet, die Aussparungen für die Speichen exakt gleichmäßig zu fräsen, also herzustellen. 
  • Die Felgen so zu spannen, dass sie nicht beschädigt werden. Die Maschine hat eine Spannkraft von über 3t. Das würde die Felgen komplett zerdrücken. Die muss auf wenige Gramm reduziert werden. 

14) Glauben Sie, dass solche Wettbewerbe wie „Formel 1 in der Schule“ dazu beitragen, mehr junge Menschen für MINT-Berufe zu interessieren?

Schwer zu sagen ob es dadurch mehr werden. Aber diejenigen die sich sowieso dafür interessieren, bekommen definitiv mehr Fachwissen und vieles mehr vermittelt. Manche Schülerin und mancher Schüler, konnte dadurch schon ein CAD- System perfekt bedienen, was sonst erst im Beruf möglich ist.  

15) Welche Voraussetzungen müssten junge Menschen mitbringen, um erfolgreich in MINT-Berufsfeldern zu arbeiten?

Hier gibt es so viele unterschiedliche Berufsfelder. Da will ich am liebsten keine Voraussetzungen nennen, weil sie auch einschränken, um niemanden auszugrenzen. 

Das „N“ Naturwissenschaften steht für mich im Vordergrund. Hier gibt es für alle noch etwas abzuschauen und wer ist denn nicht an der Natur interessiert?

16) Haben Sie noch einen speziellen Rat aus Ihrer eigenen Erfahrung, welchen Sie jungen Leuten, die vor der Berufswahl stehen, mit auf den Weg geben wollen?

Macht ein Praktikum. Schaut, wenn immer sich die Gelegenheit ergibt, in die Betriebe hinein. Beruf kommt von Berufung. Idealerweise ist man einem Fachgebiet sehr zugeneigt, oder noch besser, man kann sich dafür begeistern. 

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

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